(halle.de/ps) Persönliche Briefe des Hallensers Otto Herrmann, die dieser 1944 aus dem KZ-Außenlager Niederorschel in Thüringen an seine Familie nach Halle (Saale) schrieb, hat das Stadtmuseum jetzt erhalten. Otto Herrmann (1903 bis 1969), bekennender Kommunist und Gegner des Nationalsozialismus, war 1944 im KZ-Außenlager Niederorschel interniert. Dort setzte er sich für jüdische Mitgefangene ein. Für dieses Engagement wurde ihm später von der Gedenkstätte Yad Vashem der Titel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.
Die nun im Stadtmuseum Halle zugänglichen Briefe dokumentieren die Lebensumstände und den persönlichen Kontakt eines Häftlings mit seiner Familie während der Haftzeit. Übergeben wurden die Kopien der Originaldokumente von einer Delegation aus Niederorschel (Landkreis Eichsfeld) unter der Leitung von Bürgermeister Mario Jaritz. Im Stadtmuseum Halle begrüßten Direktorin Jane Unger und Kuratorin Kristin Land die Gäste.
Der Kontakt zwischen dem Stadtmuseum Halle und den Vertreterinnen und Vertretern aus Niederorschel entstand im Zusammenhang mit der 2018 eröffneten Dauerausstellung „Entdecke Halle!“ und dem dort eingerichteten Generationenarchiv. Dort werden unterschiedliche Generationenzusammenhänge anhand biografischer Beispiele hallescher Persönlichkeiten dargestellt. Die Biografien von Reinhard Heydrich und Otto Herrmann stehen beispielhaft für die sogenannte Kriegsjugendgeneration. Im Zuge der intensiveren Beschäftigung mit Reinhard Heydrich ab 2022 – unter anderem im Rahmen eines internationalen Schüleraustauschs zwischen Halle und Prag – rückte auch Otto Herrmanns Lebensweg stärker in den Fokus der Museumsarbeit. 2024 nahm Norbert Böhnke, Koordinator Erinnerungskultur und Stadtgeschichte, Kontakt mit dem Niederorscheler Ortschronisten Wolfgang Große auf. Bei einem Besuch vor Ort wurde er erstmals mit den Originalbriefen Otto Herrmanns vertraut gemacht. 2025 folgte ein weiterer Besuch von Vertreterinnen und Vertretern des Stadtmuseums Halle in Niederorschel.
Jane Unger, Direktorin Stadtmuseum Halle: „Das sind einzigartige Dokumente, die uns die Person Otto Herrmann näherbringen und außerdem auch ganz viel über die Umstände der Zeit erzählen. Sie werden in die ,Generationenbox Otto Herrmann‘ eingefügt und können damit von allen Besucherinnen und Besuchern des Museums eingesehen werden. Für die weitere Beforschung sind sie ein guter Ausgangspunkt.“
Zugleich soll die Zusammenarbeit zwischen Halle und Niederorschel weiter ausgebaut werden. Geplant ist unter anderem die Entwicklung gemeinsamer Bildungsangebote für Schulklassen. Auch thematische Veranstaltungen für ältere Besucherinnen und Besucher, etwa im Rahmen der Reihe „Auf einen Kaffee ins Museum“, sind angedacht.