(halle.de/ps) Der fortschreitende Klimawandel stellt die Trinkwasserversorgung angesichts zunehmender Hitze- und Dürrephasen sowie steigender Wasserbedarfe vor neue Herausforderungen. Um mehr Resilienz in der Wasserversorgung zu schaffen, wird das Wasserwerk Beesen im Süden von Halle (Saale) bis 2030 zu einem Spitzenlastwasserwerk umgerüstet. Unterstützt wird das Vorhaben durch das Land Sachsen-Anhalt und den Bund. Am Donnerstag haben Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann eine Förderung über 53 Millionen Euro überreicht.
„In Hitzewochen sind die Wassergewinnungskapazitäten der großen Fernwasserversorger, die etwa 75 Prozent der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Sachsen-Anhalt ausmachen, bereits bis zu 97 Prozent ausgelastet. Um langen Trockenphasen zu begegnen und sicherzustellen, dass künftige Industrieansiedlungen nicht an fehlendem Wasser scheitern, müssen Aufbereitungskapazitäten aufgebaut und vorgehalten werden“, führt Matthias Lux, Aufsichtsratsvorsitzender der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH, aus.
Ein zentrales Projekt für die Stabilität und Resilienz der Trinkwasserversorgung ist daher der Aufbau und die Ertüchtigung des Wasserwerkes Halle-Beesen zu einem Spitzenlastwasserwerk.
„Der Umbau des Wasserwerks hier in Beesen zu einem Spitzenlastwasserwerk ist ein ganz wichtiger Schritt für eine zukunftsfeste und vor allem klimaresiliente Wasserversorgung im Süden Sachsen-Anhalts. Ich freue mich sehr, dass dieses Vorhaben nun mit finanzieller Unterstützung von Land, Bund und Europäischer Union umgesetzt werden kann“, betont der stellvertretende Ministerpräsident Prof. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt. Insgesamt werden für das Vorhaben 53,07 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt. Davon stammen 41,57 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und 11,5 Millionen Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes. Der Umbau des Werks in Beesen zu einem Spitzenlastwassserwerk wird insgesamt rund 65 Millionen Euro kosten.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil: „Hier in Halle sieht man: Unsere Investitionen wirken vor Ort. Mit dem Spitzenlastwasserwerk machen wir die Wasserversorgung für die Menschen krisenfest und schaffen zusätzliche Kapazitäten für die Zukunft. 11,5 Millionen Euro aus unserem 500-Milliarden-Investitionspaket fließen in dieses Projekt. Wir investieren in Bahnstrecken, Krankenhäuser, Schulen, Kitas - und auch in moderne Wasserwerke. So lösen wir den Sanierungsstau auf und modernisieren Deutschland. Das ist auch eine weitere Investition in eine Region, die auf Zukunft setzt: zum Beispiel auf BioTech und DeepTech am Chemiestandort Leuna. Eine gute, sichere Wasserversorgung ist deshalb auch ein wichtiger Standortfaktor.“
Das Projekt „Spitzenlastwasserwerk“ unter Nutzung des Altstandortes in Beesen wurde in den vergangenen Jahren durch technische Planungen und bereits abgeschlossene Genehmigungsverfahren intensiv vorangetrieben. Damit kann die Fertigstellung bis 2030 sichergestellt werden.
„Wir haben gemeinsam mit dem DVGW-Technologiezentrum Wasser in Dresden die Technologie entwickelt und angepasst, die es uns ermöglicht, ressourcenschonend im Stand-by-Betrieb zu arbeiten und im Bedarfsfall in kurzer Zeit die Maximalkapazität von 20.000 m³ pro Tag bereitzustellen. Das in Beesen aus 250 Brunnen in der Saale-Elster-Aue gewonnene Trinkwasser wird vollständig in das Netz der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH eingespeist und steht damit für den gesamten Landessüden zur Verfügung. Zudem kann es über Verbindungen der Netze bis in das Versorgungsgebiet der Trinkwasserversorgung Magdeburg unterstützen“, erklärt Jörg Schulze, Geschäftsführer der Wasserwerk Besitz- und Betriebsgesellschaft mbH, einer Tochtergesellschaft der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH und der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH.
Die vorhandene Bausubstanz des alten Wasserwerkes wird vollständig genutzt, sodass der CO₂-Fußabdruck 30 Prozent geringer ist als bei einem Neubau.
Das Wasser wird so aufbereitet, dass es dem Härtegrad des Wassers aus der Rappbodetalsperre entspricht und somit mit allen Wassern mischbar ist.
Jörg Schulze bedankt sich für die Förderung und führt aus: „Um die Möglichkeiten, die mit der Förderung von Wasserresilienzmaßnahmen in Sachsen-Anhalt geschaffen werden, beneiden uns andere Bundesländer. Und wenn man immer meint, Politik und Verwaltung seien zu langsam, dann wird diese Aussage durch das konkrete Projekt widerlegt. Im Dezember 2025 wurde der Antrag an die EU-Kommission gestellt, Anfang April wurde der Förderaufruf durch das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt gestartet und heute der Bescheid ausgereicht. Das ist beispielgebend. Im Übrigen trifft das auch auf die notwendigen Genehmigungsbearbeitungen im Wasser- und Baurecht sowie auf die Prüfung im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt zu. Dafür, im Sinne einer resilienten Wasserversorgung, unseren herzlichsten Dank!“, betont Schulze.
Mit der Übergabe des Fördermittelbescheides sind die Voraussetzungen geschaffen, dass die Bauarbeiten im September beginnen können. Der ehrgeizige Bauzeitenplan soll sicherstellen, dass das Wasser aus Beesen ab 2030 dazu beiträgt, die Trinkwasserversorgung in Sachsen-Anhalt resilienter zu machen.
Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt: „Wasser ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Zukunft unserer Stadt und unserer Region. Mit dem Spitzenlastwasserwerk in Beesen schaffen wir gemeinsam zusätzliche Sicherheit für die Menschen und Unternehmen in Halle und weit darüber hinaus. Dass dabei ein bestehender Standort genutzt und technisch zukunftsfähig gemacht wird, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung zusammengebracht werden können. Ich danke dem Bund, dem Land Sachsen-Anhalt und allen Beteiligten für die gemeinsame Umsetzung dieses wichtigen Projekts.“