Archivale des Monats

Im Stadtarchiv Halle lagern viele verborgene Schätze. Diese Schätze sollen für die Öffentlichkeit geborgen werden. Besucherinnen und Besucher dieser Seite wird an dieser Stelle jeden Monat eine besondere Archivale oder ein neuer Bestand aus den tausenden von Regalmetern vorgestellt. Einige dieser Archivalien von 2010 bis 2015 wurden von Schülerinnen und Schülern des Südstadt- , Georg-Cantor-, des Herdergymnasiums und der BbS IV „Friedrich-List“ Halle im Rahmen von Projekten im Stadtarchiv Halle recherchiert und als "Archivale des Monats" veröffentlicht.
Viel Spaß beim Entdecken!
Archivalien des Jahres 2025
Aktionsverkauf bei Huth
Zum großen Inventur-Ausverkauf lud das Kaufhaus Huth ab 4. Januar 1932 ein. Huth & Co zählte zu den bekanntesten Firmen der Stadt und konnte auf eine 60jährige Geschichte zurückblicken.
Mit einer Weiß-, Seiden- und Modewarenhandlung des Kaufmann Adolf Huth in der Großen Steinstraße 8 hatte das Unternehmen 1871 seinen Anfang genommen. Nur wenige Jahre später konnte es seine Geschäftsräume erweitern und ein eigenes Warenhaus in der Großen Steinstraße 86/87 errichten, das im Laufe der Jahre stetig erweitert wurde.
1928 öffnete ein moderner Geschäftspalast mit großen Schaufenstern und lichtdurchfluteten Verkaufsräumen am Markt seine Türen. Die Berichterstatter der hallischen Tageszeitungen lobten die edle Ausstattung und große Sortiment des neuen Kaufhauses. Seiden- und Kleiderstoffe konnte das Publikum im Erdgeschoss erwerben. Im ersten Obergeschoss, „wo die Damenwelt ausschließlich zu ihrem Recht kommt“, wurden Damen- und Kinderkonfektion und Damenputz in riesiger Auswahl angeboten. Den Teppichen, Gardinen und Möbelstoffen war das zweite Obergeschoss vorbehalten. Dort standen Rollen der Läuferstoffe in „schier unabsehbarer Reihe … “; echte Orientteppiche und Vorhangstoffe aller Art warteten auf Käufer.
Mit den auch von der Firma Huth veranstalteten Saisonschluss- und Inventur-Verkäufen zu reduzierten Preisen konnte Lageraum für die Neuwaren der kommenden Saison geschaffen werden. Neben Zeitungsannoncen und Plakatierung im Schaufenster half auch die Versendung einer originell gestalteten Werbepostkarte bei der Verbreitung des Aktionstermins an die auch außerhalb von Halle wohnende Kundschaft.
In der Zeit des Nationalsozialismus fiel das Kaufhaus Huth dem Boykott jüdischer Geschäfte und der Arisierung zum Opfer und ging 1938 an die Firma Hermann über.
Das Klaustor im Bild
Eines der sechs hallischen Stadttore befand sich an der Klausbrücke. Das bereits im 13. Jahrhundert erwähnte und 1569 umgebaute Klaustor ermöglichte den Zugang der aus dem Mansfelder Raum kommenden Reisenden und Kaufleute in die Stadt. Die Saalearme boten einen natürlichen Schutz und erforderten nur ein einfaches Torhaus und Unterkunft für den Toreinnehmer. Dieser hatte von den Ankömmlingen beim Passieren Zölle einzunehmen.
Im 19. Jahrhundert hatten Stadtbefestigung und Stadttore ihre militärische Bedeutung verloren. Sie behinderten die Erweiterung der Stadt über die alten Stadtgrenzen hinaus. Dazu beeinträchtigten die zum Nadelöhr gewordenen Stadttore den Reiseverkehr und erforderten deren Abriss. So musste 1817 zunächst das alte Torgebäude, welches „ … die Passage sehr beengt, nicht zweckmäßig zu gebrauchen ist, und nur unnötige Reparaturkosten verursacht …“ , weichen, ein Jahr später auch die angrenzende Wohnung des Toreinnehmers.
Ausgenommen blieb der Torbogen. Akten des Bestandes „Historische Akten“ dokumentieren den Vorgang. Dazu zeigen zwei Zeichnungen des Bau-Inspektors Johann Friedrich Wilhelm Dietlein den Grundriss der Toreinnehmerwohnung und vermitteln einen Eindruck vom Aussehen des Torbogens. Danach sah der von Westen aus der Klaustorvorstadt kommende Reisende die „Abendseite“ mit zwei vorgesetzten Säulen. Die der Stadt zugewandte Seite war wesentlich schlichter gestaltet.
Nach einem mit dem Maurermeister Recke im Juli 1818 abgeschlossenen Vertrag „über die Decoration der stehengebliebenen Theile des sogenannten Klausthors zu Halle“ gehörten unter anderem die „Reparatur des Torbogens ingleichen der Säulen mit Gips“ und der dreimalige Anstrich des Tores und der Säulen mit Ölfarbe zu den vereinbarten Leistungen.
Wegen Baufälligkeit empfahl der Magistrat im Oktober 1835 den Abbruch des Klaustorbogens und Verkauf des Baumaterials an den Meistbietenden. Die Stadtverordneten stimmten dem Antrag zu.
Das „Thal zu Halle“ im Bild
Der westlich des Marktplatzes tiefer gelegene Hallmarkt nimmt teilweise das Areal des ehemaligen Pfännerschaftlichen Salzwerkes ein, das über Jahrhunderte hinweg vor allem durch die Zweckbauten für Soleförderung und Salzgewinnung und das Verwaltungsgebäude, das sogenannte „Thalhaus“ geprägt war. Dieser Salinenbereich, das „Thal zu Halle“ oder „die Halle“ erstreckte sich zwischen Markt und dem heutigen Hallorenring sowie dem Moritzkirchhof und der Hackebornstraße.
Nach der endgültigen Einstellung des Siedebetriebes im September 1869 wurden die nun ungenutzten Salinengebäude bis auf das Maschinengebäude des Gutjahrbrunnens abgerissen. Wie ein Polizei-Sergeant ein Jahr später mitteilte, bot das Gelände nun „einen wahrhaft schauderhaften Eindruck“. Zwischen unregelmäßigen Gruben türmten sich lockeres Erdreich und alte Mauer- und Bruchsteine. Die durch das Thalgebiet führenden Abzugsgossen und Kanäle waren mit Unrat angefüllt.
Im Juni 1885 erwarb die Stadt Halle das Gelände von der Halleschen Pfännerschaft. Die Umgestaltung konnte beginnen. Entsprechend dem städtischen Bebauungsplan von 1885 mussten die über gerade Straßenfluchten hinausragende Häuser abgerissen werden. Das betraf auch Gebäude am Rande der ehemaligen Saline.
Vor etwa 140 Jahren entstand diese Zeichnung. Der unbekannte Zeichner könnte im nördlichen Bereich des ehemaligen „Thals zu Halle“, auf der noch unbebauten Fläche zwischen der heutigen Talamtstraße und der Hackebornstraße gestanden haben. Hier werden wenig später die von diesen beiden Straßen sowie von Oleariusstraße und Hallorenring begrenzten Wohn- und Geschäftsbauten entstehen.
Links erstrecken sich kleine Häuser der damaligen „Hallgasse“, in denen vorwiegend Handwerker wohnten. Dahinter ragt das Dach eines langgestreckten Gebäudes, des Gasthofs Zum blauen Hecht, hervor. Im Adressbuch bis 1885 unter der Anschrift „An der Halle 19“ zu finden war das weiter rechts befindliche Gebäude, welches zum Teil die Marktkirche und den dahinterliegenden Roten Turm verdeckt. Ein Hallore und ein „Salinen-Registrator“ gehörten unter anderem zu den Bewohnern dieses wenig später niedergelegten Hauses.
Das ursprünglich rechts unterhalb der blauen Türme stehende „Thalhaus“ ist bereits verschwunden. Dieses Verwaltungsgebäude der Saline war bereits 1882 abgerissen worden. Gut zu erkennen sind die 1886 abgebrochenen alten Predigerhäuser „An der Marienkirche“, dahinter der Turm der alten Marienbibliothek, die 1889 einem Neubau weichen musste.
Eine Akte zur Instandsetzung der Elisabethbrücke
Kurz vor Ende des II. Weltkriegs rückten amerikanische Truppen im Frühjahr auf Halle vor. Um die Einnahme der Stadt zu verhindern, nahm eine Einheit der Deutschen Wehrmacht am 14. April 1945 Sprengungen an zehn Saalebrücken vor. Wichtige Verbindungswege zwischen Stadt und Umland waren unterbrochen. Das betraf auch die Siebenbogenbrücke sowie die durch Zerstörung eines Bogens unpassierbar gewordene Elisabethbrücke. Der Verkehr auf der in Richtung Eisleben, Nordhausen und Kassel führenden Hauptstraße kam zum Erliegen.
Technische Truppen der amerikanischen Armee setzten den gesprengten Abschnitt zunächst notdürftig mit zusammengeschraubten Fachwerkträgern instand. Die dabei auf die erhaltenen Brückenteile aufgelegten Träger erhöhten jedoch einen Teil der Fahrbahn um einen Meter. Fahrzeuge konnten die Brücke somit nur sehr langsam über Rampen befahren. Wenig später musste die Konstruktion durch eine 13,5 Meter lange und 6,3 Meter breite Behelfsbrücke ersetzt werden, die sich ohne Höhenunterschied an die erhalten gebliebenen Brückenteile anschloss.
Auch dieser provisorische Brückenteil war auf lange Sicht nicht für dichten Fahrzeugverkehr geeignet und erforderte weitere Sicherungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Pfeiler. Für die geplante Verlegung von Straßenbahngleisen war die Aufbringung eines Steinpflasters an Stelle des hölzernen Fahrbahnbelags unumgänglich. Weiterhin wurden beidseitig Fußwege mit Holzbohlen angelegt. Und so konnte die Bauverwaltung im November 1946 an das Nachrichtenamt melden: „Die Fahrbahn ist wieder 10 m breit und die Gehwege je 3 m. Der Verkehr auf der Hauptausfallstrasse Halles nach Westen rollt wieder ohne Einengung über die Saale“.
Eine Akte aus dem Bestand Straßenbau (A 2.47 Kap. 3 Abt. B Nr. 23 Bd. 4a_1) dokumentiert die Maßnahmen zur Sicherung der Brücke. Unter anderem zeigt eine, von Ober-Ing. Heilmann signierte Zeichnung die Abstützung und Überbrückung des fehlenden Teils.
Prof. Dr. Ing. Adolf Jacob Heilmann (1888 - 1949) war seit 1926 als Stadtbaurat für Tiefbau in der Stadt Halle tätig. Von den Nationalsozialisten wurde er 1933 entlassen, 1944 jedoch wieder als Stadtbaurat eingesetzt. Maßgeblich wirkte er beim Neuaufbau der Stadt. Zu verdanken ist ihm unter anderem die Herstellung der bei Kriegsende zerstörten Brücken. Besonders engagierte sich Heilmann bei der Wiederherstellung kultureller Baudenkmäler und gründete dazu die Bauhütte "Roter Turm". 1945 wurde er zum Professor an der Universität Halle, im September 1949 in das Ministerium für Industrie der DDR nach Berlin berufen.
Über Jahrzehnte hinweg ersetzte die Hilfskonstruktion den gesprengten Bogen. Ältere Hallenser werden sich noch an die mit Holzbohlen belegten Gehwege und das Holzgeländer auf diesem Abschnitt erinnern. Im März 1973 musste die Brücke wegen Baufälligkeit für Fahrzeuge gesperrt werden. Nach Fertigstellung einer neuen Elisabethbrücke 1976 erfolgte ein Jahr später der Abriss.