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  • Archivale des Monats

    Im Stadtarchiv Halle lagern viele verborgene Schätze. Diese Schätze sollen für die Öffentlichkeit geborgen werden. Besucherinnen und Besucher dieser Seite wird an dieser Stelle jeden Monat eine besondere Archivale oder ein neuer Bestand aus den tausenden von Regalmetern vorgestellt. Einige dieser Archivalien von 2010 bis 2015 wurden von Schülerinnen und Schülern des Südstadt- , Georg-Cantor-, des Herdergymnasiums und der BbS IV „Friedrich-List“ Halle im Rahmen von Projekten im Stadtarchiv Halle recherchiert und als "Archivale des Monats" veröffentlicht. 

    Viel Spaß beim Entdecken!

    Archivalien des Jahres 2026

    Zeichnungen eines Schülers der Handwerkerschule Halle

    Vor 125 Jahren, am 4. Januar 1901 wurde die Handwerkerschule nach weniger als zwei Jahren Bauzeit in der Gutjahrstraße eröffnet. Der Neubau war erforderlich geworden, weil die 1870 gegründete Gewerbliche Zeichenschule durch rasches Anwachsen der Schülerzahlen nicht ausreichte. Bei der Ausstattung der Unterrichtsräume wurden Erfahrungen aus der bisherigen gewerblichen Zeichenschule und ähnlichen Einrichtungen anderer Städte berücksichtigt. Neben den Unterrichtsräumen standen Modellier-, Zeichen- und Malsäle zur Verfügung. Für das praktische Arbeiten konnten große Arbeitstische mit geneigter Arbeitsfläche, Schemel in verschiedenen Höhen und Waschtische zur Reinigung der Reißbretter in den Klassenräumen genutzt werden. Optimale Bedingungen ermöglichten somit Lehrlingen, Gesellen und angehenden Meistern in den verschiedensten handwerklichen Bereichen die Erwerbung theoretischer und praktischer Kenntnisse. Vom Bauzeichner bis zum Zimmerer waren 69 verschiedene Berufe in den Teilnehmerlisten zu finden. Entsprechend breit gefächert gestaltete sich der Unterricht. 
    Einer der ersten Schüler der neuen Schule war Johannes Runckewitz (1886 -1956). Der Sohn eines Glasermeisters absolvierte 1901-1905 eine Ausbildung für eine spätere Tätigkeit im Bauwesen. Auf dem Lehrplan standen unter anderem Baukonstruktionslehre, Geometrie, Materialkunde, Buchführung und Zeichnen. Über 90 Zeichnungen dokumentieren die von Runckewitz im Fachzeichnen erworbenen Fertigkeiten. Er beherrschte die Darstellung von geometrischen Figuren, Mauerverbänden und Gewölbeformen ebenso wie Entwurfszeichnungen für ein Haus. 
    Nach seiner Ausbildung war Runckewitz als Bautechniker in Halle tätig und nach der Meisterprüfung seit 1922 als Maurermeister im Adressbuch vermerkt. Damit hatte er Verantwortung für Planung, Ausführung und Koordinierung von Bauprojekten zu tragen und übernahm neben der fachlichen Ausführung auch kaufmännische Tätigkeit.

    Abbildungen:
    In der Handwerkerschule von Hans Runckewitz angefertigte kolorierte Federzeichnungen, (1901-1905)
    (S 3 VI 76 – 18, 32, 41, 62, 84)

    „… um eine genügende Beleuchtung … herbeizuführen …“ - Licht für die Burgbrücke

    Dem Thema des kulturellen Themenjahrs 2026 „Stadt – Licht – Leben – Energie“ ist das Archivale in diesem Monat gewidmet. 
    Die Industrialisierung führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Anstieg der Einwohnerzahlen und räumlicher Ausdehnung der Stadt über die alten Stadtgrenzen hinaus. Die Infrastruktur musste entwickelt und neue Verkehrswege geschaffen werden. Dazu zählten auch der Abbruch der Stadtmauern und Schaffung einer begrünten Ringpromenade. Sie diente gleichsam als Verkehrsweg und bot Erholungsflächen und Spazierwege. Mit dem Ausbau der Robert-Franz-Straße (heute Robert-Franz-Ring) und Errichtung der Burgbrücke 1898 war diese um die innere Stadt führende Ringstraße fertig gestellt. 
    Wie aus einer Akte des Bauamtes zum Ausbau der Robert-Franz-Straße zu ersehen ist, sollte die an der Moritzburg zum heutigen Friedemann-Bach-Platz führende Brücke mit aufwendig gestalteten Gas-Laternen bestückt werden. Vier Postamente an den Brückenenden waren dafür vorgesehen. Bei der Einweihung der Brücke im April 1898 blieben sie jedoch leer.
    Im November 1899 lagen Entwürfe für die Kandelaber, also zweiarmige Laternen, vor. Das mit 2400 Mark veranschlagte Vorhaben wurde jedoch wegen fehlender finanzieller Mittel abgelehnt. Erneute Verhandlungen des Stadtbauamtes mit den Gas- und Wasserwerken zur Unterstützung kamen nicht voran. Das Unternehmen begründete seine Zurückhaltung mit einer möglichen Einbindung der Burgbrücke bei der elektrischen Beleuchtung der naheliegenden Würfelwiese.
    Am 4. August 1901 bemerkte ein Zeitungsleser sarkastisch: „… daß die viel befahrene, auch von schweren Lastwagen im Winter schon ab 3 – ½ 4 Uhr früh behufs bequemer Erreichung der hochgelegenen Stadt lebhaft benutzte Burg-Brücke … jeglicher Beleuchtung entbehrt.“ Und erst in einiger „… Entfernung von beiden Enden der Brücke schwingt sich die Beleuchtung … zu je einer Gasflamme auf. “
    Dem ehemaligen Landeskonservator Gotthard Voß und dem „Förderkreis Burgbrückenlampen“ ist die Anfertigung von vier zweiarmigen Laternen nach einer Zeichnung in einer weiteren Akte zum Bau der Burgbrücke zu verdanken. Sie wurden im September 2022 aufgestellt und am 25.10.2022 offiziell eingeweiht.

     

    Quellen
    Akte „Robert-Franz-Straße Ausbau“ (A 2.5.1 Kap. VI Abt. R III Nr. 4 Bd. 2
    Akte „Burgbrücke“ A 2.5.1 Kap. IX Abt. A Nr. 5 Bd. 2
    Saale-Zeitung 4.08.1901, 1. Beilage
    Mitteldeutsche Zeitung 28.06.2021 und 01.09.2022

     

    Der Bestand „Solbad Wittekind“

    Die Errichtung des Solbades Wittekind im Frühjahr 1846 gibt Anlass zur Vorstellung eines kleinen Bestandes zu dieser ehemals bedeutenden Kur- und Heileinrichtung.  Er enthält nur wenige, gleichwohl für die Geschichte von Bad Wittekind bedeutende Akten. 
    Der Kaufmann Heinrich Thiele hatte im Oktober 1845 das Schmohlsche Grundstück erworben und beim Ausbau einen verschütteten Solebrunnen wieder entdeckt. 
    Der Entschluss zur Anlage eines Bades war bald gefasst, zumal ein Gutachten des renommierten Medizinprofessors Dr. Krukenberg attestierte, dass „die dort wieder aufgefundene Solquelle sich sehr gut zu Heilbädern eigne.“ Thiele pachtete das angrenzende Grundstück. Und am 27. März 1846, so vermerkte er in seinen Erinnerungen, wurde der Grundstein für ein Badehaus gelegt. Das nach einem Entwurf des bekannten königlichen Oberbaurats August Stüler im Schweizerhausstil errichtete Gebäude war Ende Juni bereits soweit fertiggestellt, dass eine Eröffnung mit zunächst sechs Baderäumen erfolgen konnte. Nach Thieles Angaben wurde der Besuch von Badegästen aus nah und fern sehr begünstigt. In der ersten Saison konnten über 4200 Bäder verabreicht werden. Bis Mai 1847 schlossen sich die Erweiterung des Badehauses sowie der Bau des Wasserturms und des Brunnenhauses mit Trinkhalle an.
    Aus den Akten des Bestandes „Solbad Wittekind“ (A 5.8 Nr. 1 – 7) erfahren wir mehr über das Grundstück. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit und im Mittelalter ermöglichte hier das Auffinden von Sole die Herstellung von Salz.  Anfang des 18. Jahrhunderts wurde nach Neuerschließung einer Solequelle wiederum kurzzeitig Salz gewonnen. 
    Urkunden, Briefe, Verträge, Berichte und Schriften verraten mehr über die Anfänge und Entwicklung des Solbades. Wir erhalten Einblick in Namenslisten der Kurgäste und erfahren Einzelheiten zur Zusammensetzung und medizinischen Wirkung der Sole, des Wittekinder Badesalzes und des für Trinkkuren empfohlenen Sauerbrunnens. Auch die Beschwerde eines Badegastes über die sonst nur lobend erwähnte Einrichtung ist dokumentiert.
    Die von der Städtischen Bäderverwaltung an das Stadtarchiv übergebenen Akten bieten einen Einblick in die Verwaltung des Solbad Wittekind bis 1922 und sind eine wertvolle Quelle für die Sozial-, Regional- und Wirtschaftsgeschichte. In den Archivdatenbanken im Internet und vor Ort können seit kurzer Zeit Informationen zu den enthaltenen Akten recherchiert werden.
    Quellen und Literatur (Auswahl):
    Bestand „Solbad Wittekind“ StAH A 5.8 Nr. 1 bis 7
    G. Kniesche / Karl Loening / Bornemann: Das Solbad Wittekind zu Halle a. d. Saale, Halle, 1925
    Sybille Beutel / Dieter Dolgner: Das Solbad Wittekind. In: Historische „Wasserbauten“ in Halle, Halle 1995

    Der Abriss der Michaeliskapelle im Bild

    „Das älteste Baudenkmal von Halle ist gefährdet.“ , warnte am 3. April 1906 die Saale-Zeitung. Zwei Wochen später war der alte Turm auf dem Grundstück Alter Markt 2 verschwunden und am 5. Mai schließlich der Abbruch „des fraglichen Hauses“  beendet. – Dieses älteste Bauwerk war die bereits im 12. Jahrhundert erwähnte Michaeliskapelle, die älteste Pfarrkirche der Stadt. Sie lud an zentraler Stelle zum Gottesdienst ein. Der Alte Markt als einer der ältesten Siedlungskerne der Stadt lag im Schnittpunkt der Handelsstraßen aus nördlicher, westlicher und südlicher Richtung. Hier befand sich das erste hallesche Rathaus. Hier boten Kaufleute ihre Waren an. Bei dem großen Stadtbrand 1312 wurde die Kirche stark beschädigt und anschließend in kleinerer Form wieder aufgebaut. In der Reformationszeit verlor die Kapelle ihre sakrale Funktion und ging an den Patrizier Dr. Michael Milde über. Der neue Besitzer ließ sie zu Wohnzwecken umbauen und die Form an benachbarte Bürgerhäuser angleichen. Dabei wurde der Bau teilweise niedergerissen und in einen dreistöckigen Wohnbau mit Tor verändert. An Stelle des Turmhelms traten zwei geschwungene Giebel. Renaissancefenster ersetzten die ehemaligen gotischen Kapellenfenster. Der Gasthof „Zum goldenen Rad“ bot nun hier bis ins 18. Jahrhundert hinein Speis und Trank an. Später waren verschiedene Läden und Privatwohnungen in dem Haus untergebracht. Ein Foto des namhaften halleschen Fotografen Gottfried Riehm zeigt das markante Gebäude um 1900 (vgl. Riehm 190)
    Den beginnenden Abriss hielt Riehm in mehreren Aufnahmen mit der Kamera fest. Mit seiner Fotoausrüstung wagte er sich noch mal in das Gebäude, bevor es der städtischen Modernisierung zum Opfer fiel. Ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus mit Erkern und Balkonen ersetzte wenig später die Baulücke. Hier erwarb auch die bereits im Nachbarhaus Nr. 1 ansässige Möbelfabrik Martick Geschäfts- und Verkaufsflächen. Zur optimalen Präsentation der Möbel und Zimmereinrichtungen veranlasste das Einrichtungshaus Martick 1933 einen Umbau des Hauses.  In dieser Form prägt die Fassade bis heute die Ostseite des Alten Marktes. 

    Abbildungen:
    Michaeliskapelle kurz vor dem Abriss Anfang April 1906 (S 9.1.RIE Riehm 426, 428-430)


    Quellen und Literatur:
    A 2.20 Nr. 66
    1.Beibl.  Zu Nr. 157 der Saale-Zeitung, 3. April 1906
    1.Beibl. Zu Nr. 185 der Saale-Zeitung, 21. April 1906
    Mitteldeutsche Zeitung Nr. 87, 14.04.1987

     

    Adresse:
    Stadtarchiv
    Rathausstraße 1
    06108 Halle (Saale)
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