Folge 7 - Das Puzzle fügt sich zusammen - mit Dr. Hendrik Wilken
Das Puzzle fügt sich zusammen mit Dr. Hendrik Wilken
Zur Person
Dr. Hendrik Wilken, geboren 1993 in Wilhelmshaven, ist Musikwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Hallischen Händel-Ausgabe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach einem Bachelorstudium der Musikwissenschaft mit Kunstgeschichte im Nebenfach schloss er in Halle ein Masterstudium der Musikwissenschaft ab, in dessen Rahmen er eine kritische Edition der „Musicalischen Kirchen- und Haus-Freude“ von Tobias Zeutschner erarbeitete.
In seiner Dissertation untersuchte er die protestantische Kirchenmusik in Breslau zwischen 1621 und 1690 mit Blick auf Quellenüberlieferung, Aufführungspraxis und Stilentwicklung; die Arbeit ist 2024 als Monographie erschienen. Seit 2018 arbeitet Hendrik Wilken an der Hallischen Händel-Ausgabe mit, seit 2020 als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Zu seinen Schwerpunkten gehören Editionsphilologie, Musik der Frühen Neuzeit und die Überlieferung der Werke Georg Friedrich Händels.
Die Händelfestspiele 2026 stehen bevor – und zum Auftakt kommt Händels Oper „Rinaldo“ auf die Bühne. Wieso gibt es von dieser Oper in der Hallischen Händel-Ausgabe zwei unterschiedliche Fassungen? Und was ist diese Hallische Händel-Ausgabe (HHA) überhaupt?
Seit 1955 entsteht in Halle eine wissenschaftlich-kritische Gesamtausgabe von Händels Werken, die bis 2031 auf rund 116 Bände anwachsen soll und sich sowohl an Forschung als auch an die musikalische Praxis richtet. Verstreute Quellen, unterschiedliche Fassungen – das Akademieprojekt „Hallische Händel-Ausgabe“ setzt Händels Werk Stück für Stück, einem Puzzle gleich, zusammen und macht seine Musik für Bühne und Forschung neu erlebbar. Im Februar 2026 ist der 100. Band erschienen.
Dabei zeigt sich, warum das Arbeiten mit Originalquellen unersetzlich ist: Erst im Vergleich von Autographen, Abschriften und frühen Drucken wird sichtbar, wie Händel seine Werke verändert hat – und warum manche Entscheidungen im Notentext eher an ein geduldiges Puzzle-Spiel erinnern. Wie entsteht aus all diesen Materialien ein verlässlicher Notentext? Welche Rolle spielen Archive und Bibliotheken dabei – und nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Fassung eines Werkes im Haupttext steht und was im Anhang landet?
All diese Fragen werden in dieser Folge von „Unboxing History“ anhand der Arbeit in der Hallischen Händel-Ausgabe beleuchtet. (auf Spotify hören)
Musik: Georg Friedrich Händel, „Rinaldo, HWV 7b – Aria: Cara sposa, amante cara“, Einspielung: Rebel Baroque Orchestra, Quelle: musopen.org, Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0
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